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Projekt „Sozial Genial“

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Dortmund macht Schule.
Informations- und Öffentlichkeitsarbeit ist seit langem ein fester Bestandteil unseres ehrenamtlichen Engagements im Blinden- und Sehbehindertenverein. Schön wäre es sicherlich, wir könnten auf alle Schulen zugehen, um mit ihnen zum Thema ‚sehbehinderte und blinde Menschen‘ ins Gespräch zu kommen. Manchmal werden wir direkt angesprochen, manchmal entsteht ein Kontakt über unsere Mitglieder. Diesmal entstand ein Kontakt zum Deutschlehrer des Goethe Gymnasiums, zu Herrn Gläsel, der das Thema “Menschen mit Behinderung” mit der Klasse 6 b mal in ganz anderer Form besprechen wollte.

Im Rahmen der Jugendbuchlektüre "Vorstadtkrokodile" und im Zusammenhang mit dem im Rollstuhl sitzenden Protagonisten Kurt stellten die Schüler erstaunt fest, dass sie im normalen Tagesablauf relativ selten in Kontakt mit Behinderungen und körperlichen Einschränkungen kommen. Die Frage lag auf der Hand: "Wie meistern Menschen mit Behinderungen eigentlich ihren Alltag?" Bei der Beantwortung dieser Frage setzte sich Herr Gläsel mit uns in Verbindung und wir sprachen mehrere Möglichkeiten ab, bei denen die Kinder genau der oben aufgeführten Frage nachgehen konnten.

Wie geht das? Barrieren überwinden...
...im Job
Der
erste Besuch im Rahmen des Projektes führte einige Kinder in die Verwaltung des Vereins Mobile e. V. in Dortmund. Die dortige Ansprechpartnerin Frau Herrmann zeigte den Kindern, wie auch sehbehinderte Menschen einem normalen Büro-Job nachgehen und am Computer arbeiten können, aber auch wie man als Rollstuhlfahrerin mit dem Auto mobil sein kann. Begeisterte Rückmeldungen und Erfahrungen wurden im Unterricht vermittelt und diskutiert. Darüber hinaus entstanden weitere Möglichkeiten, Erfahrungen aus dem Leben behinderter Menschen zu teilen.

...beim Freizeitvergnügen
So war ein weiterer Projektpunkt ein Kegelabend mit blinden Menschen: "Kegeln für Jedermann und Jederfrau" im Vereinshaus St. Barbara. Hier erfuhren die teilnehmenden Schüler einige Tricks, sich als Blinder über Barrieren hinwegzusetzen. Bei dem ausgetragenen Match mussten sich die Schüler auch deutlich dem stärkeren Team geschlagen geben.

...im Wohn- und Lebensalltag
Bei einem Besuch im Generationen übergreifenden Wohnprojekt "Wir wohnen
Anders“ konnten die Schüler gemeinsam mit unserem Vorsitzenden Richard Schmidt die kleinen und großen Kniffe im täglichen Leben eines blinden Menschen kennen und schätzen lernen. Dazu gehörte neben einem Crashkurs im Umgang mit Führhunden und der Brailleschrift auch ein Spaziergang mit unterschiedlichen Simulationsbrillen, welche verschiedene Beeinträchtigungen des Blickfelds simulierten. Ähnliche Erfahrungen konnten die Schüler auf einer U-Bahn-Reise durch Dortmund bei dem Projekt "Barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Raumes für sehbehinderte und blinde Menschen" sammeln. Hier wurde besonders auf die Vermittlung und das Erkennen von kleinen Zeichen und Hinweisen im Alltag Wert gelegt; wie u.a. das farbige und reliefartige Leitsystem an den U-Bahnhöfen und angrenzenden Straßen. Die Reise führte von der Leopoldstraße über das Westentor zur Boulevard-Kampstraße.

...beim Kulturgenuss
Auch der kulturelle Bereich wurde nicht vernachlässigt: Der Besuch der
Kriminalkomödie "Ein X für das U" im Dortmunder U endete damit, dass die
teilnehmenden Schüler den nichtbehinderten und behinderten Schauspielern auf der Bühne Rosen für die so toll gelungene Aufführung überreichten.
Kleines Highlight des Projektes war für die Schüler sicherlich die mitgestaltende Teilnahme am Bürgerfunkmagazin im Radio 91,2. Sendetermin der hier produzierten Aufnahme mit einem Interview der anwesenden Schüler war der 21. August um 20.04 Uhr.

Resonanz: Feuereifer und Engagement
Insgesamt gab es bei allen Beteiligten viel Gesprächsstoff und durchgehend eine positive Resonanz. Und nebenbei wurde die Ausgangsfrage des Projektes mit Feuereifer und großem Engagement beantwortet. Unterrichtliche Relevanz erhielt das Projekt durch abschließende Erfahrungsberichte, die als Projektarbeit die klassische Klassenarbeit zum Thema ersetzt haben.

Für uns alle war spannend zu erfahren, wie die SchülerInnen die Projektarbeit erlebt haben. Lesen Sie hierzu Auszüge aus zwei Schüler-Berichten.

Shari zum das Theater-Projekt:
Ich habe dieses Theaterstück gewählt, da mich Theater interessiert und ich bis jetzt nur in Theaterstücken mit nichtbehinderten Menschen war. Das Stück wurde in einem übergroßen Raum aufgeführt ohne Hindernisse für Behinderte. Wie erwartet saßen auch Behinderte Menschen im Publikum. Für Taubstumme hatte man einen Beamer aufgebaut, der den Text von allen 15 Szenen inklusive Regieanweisung an die Wand warf. Dies kam aber auch den Zuschauern zu Gute, da man manchmal die sprach- oder geistig behinderten Schauspieler nicht so gut verstehen konnte. aber auch Blinde oder Rollstuhlfahrer waren so mit in das Stück einbezogen, dass man nicht sofort feststellen konnte, wer behindert und nicht behindert war.
Menschen mit Behinderung sind nicht viel anders als wir, außer dass sie eben eine Behinderung haben. Trotz alledem muss man mit ihnen normal umgehen und sie so behandeln wie man selbst behandelt werden möchte... Jeder kann Theater spielen und es ist eine wunderbare Art, jedem eine Chance zu geben.

Leon zum Projekt über barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Raumes:
Meine Meinung über Behinderte hat sich verbessert, weil ich dachte, dass sehbehinderte Menschen immer ziemlich viel Hilfe brauchen. Durch das Treffen habe ich herausgefunden, dass sie gar nicht so hilfebedürftig sind. Die öffentlichen Räume müssten aber noch besser behindertengerecht gestaltet sein. Behinderte möchten ja kein Mitleid, sie brauchen Hilfestellungen, wie Leitsysteme etc. die ihnen helfen sich besser zu Rech zu finden. Ich könnte mir sogar vorstellen später in sozialen Bereichen tätig zu sein. Insgesamt fand ich dieses Projekt gut und würde das auch gerne einmal mit anderen Behinderten machen.


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