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Über den Wolken

    

Ganz so hoch ging es nicht hinauf, als am 9. Juni 2012 einige sehbehinderte und blinde Co-Piloten mit Segelflugzeugen den sicheren Boden verließen.

2010 lud Ludger Hoings im Namen des BSVDo zum ersten Mal zum Segelfliegen für Blinde und Sehbehinderte auf dem Segelflugplatz des AC Hagen in Iserlohn-Sümmern ein. Damals war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Aus diesem Grund musste eine weitere her. Nach 3 vergeblichen Versuchen im Jahr 2011, wieder Sehbehinderte und Blinde ins Segelflugzeug zu bekommen, mussten wir im vergangenen Jahr leider „die Segel streichen, weil das Wetter nicht mitmachte.

Weil aber das Wetter der Hauptakteur ist, wir also nicht bei Regen fliegen können und auch nicht, wenn der Wind zu stark wird oder aus der falschen Richtung kommt, entschieden wir uns, es in diesem Jahr zum letzten Mal zu versuchen.

Am vergangenen Samstag war es dann auch soweit. Eva Stoppa und Angelika Halfter aus Dortmund mit Freund Klaus Kowohl, unser „Weitblicker“ Günther mit seiner Frau Ramona aus Enneppetal sowie Flugfans aus Dülmen und Viersen trafen bei durchwachsenem Wetter mit kräftigem Wind und ohne Regen zwischen 8.45 Uhr und 9.30 Uhr auf dem Gelände des AC Hagen ein, insgesamt waren es acht Mutige zuzüglich Begleitungen. Mit Unterstützung von Angelika, die Jutta und mir seitens des BSVDo zur Seite stand, lief alles wie am Schnürchen.

Auf dem Rollfeld hatte Matthias seine Leute gut vorbereitet und auch dort lief alles reibungslos. Kurz nach 10 Uhr waren alle Vorbereitungen durch die Mitglieder des AC Hagen getroffen und die ersten zwei Mutigen, die einen Windenstart gebucht hatten, gingen hoch.

Im Unterschied zum Windenstart per Winde wird das Flugzeug beim sog. F-Schlepp mit einem voranfliegenden Motorflugzeug auf Höhe gebracht. Der Reiz beim Windenstart ist eindeutig der Start, bei dem man sehr steil und mit ungeheurer Kraft fast senkrecht in die Höhe gerissen wird. Dagegen geht’s beim F-Schlepp eher gemächlich hoch.

Wer gerade nicht flog, konnte sich die Funktion eines Segelflugzeugs erklären lassen, das Flugzeug auch anfassen. Als dann Matthias alle, ob Fluggäste oder die Begleitungen, dazu aufrief, auf freiwilliger Basis mit aufs Rollfeld zu kommen und die Segelflugzeuge, die kurz vorher gelandet waren, wieder mit zurückzuschieben, taten dies alle gern und hatten auch ihren Spaß dabei.

Der Wind nahm zu und zwischenzeitlich war sogar die Durchführung dieser Tagesveranstaltung gefährdet, weil es schon hart an die Grenze der Verantwortbarkeit ging, wenn der Wind noch weiter zunahm. Diesen „Ritt“ in den Wolken hatten die meisten aber wohl auch als sehr aufregend empfunden. Mal abgesehen von den Zweien, die „fast“ während des Fluges ihr Inneres nach Aussen gekehrt hätten, wie sie bleichgesichtig und mit vorübergehender Appetitlosigkeit später aussagten.

Nach Rücksprache mit Matthias vom Platz liessen wir es aber dabei bewenden, als schon am frühen Nachmittag alle Aspiranten geflogen waren. Die Verantwortlichen waren ob des Wetters darüber sichtlich erleichtert.

Ein Fluggast berichtete begeistert, dass sein Pilot beim Windenstart das Segelflugzeug erst bei 400 m ausgeklinkt hat, normalerweise erreichen wir auf diese Art eher nur magere 250 bis 300 m. Ein anderer kam beim F-Schlepp nach dem Ausklinken in etwa 800 m Höhe später noch auf 1.200 m Flughöhe. Der Tag ist gut und abenteuerlich verlaufen. Schade nur, dass sich so gut wie alle ziemlich direkt nach ihrem Flug schon wieder auf den Heimweg machten, die ersten bereits vor der Mittagspause. So war die Veranstaltung am frühen Nachmittag vorbei.

Es wird eine Veranstaltung in dieser Form nicht mehr geben. Wer aber doch neugierig geworden oder angesteckt worden ist von diesem faszinierenden Hobby, kann sich gern an Ludger und Jutta Hoings wenden. Neben dem AC Hagen in Iserlohn-Sümmern haben sie noch zwei weitere Adressen, die sie gern weiterleiten möchten. Auch die anderen beiden Vereine haben schon etwas Erfahrung mit Sehbehinderten und Blinden. Eigentlich wäre eine vorherige Anmeldung, wenn nur ein oder zwei Personen mal fliegen möchten, nicht notwendig. Einfach abwarten, bis das Wetter schön ist, am besten früh, so gegen 10.00 Uhr dort ankommen, Leute ansprechen und etwas Zeit mitbringen.



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