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Ein blaues Wunder fürs Mondo mio

Wie ein Braille-Drucker namens Elotype in unsere Bezirksgruppe kam, haben wir auf diesen Seiten mehrfach beschrieben (siehe "Wir über uns“). Wir tauften die Maschine „blaues Wunder“. Natürlich, weil sie blau ist. Und im Nachhinein wohl auch, weil es fast an ein Wunder grenzt, wenn sie längere Texte korrekt druckt.

Viel zu einfach wäre es ja, einen langen Text umwandeln zu lassen und ihn dann auf Endlospapier auszudrucken. Leider weiß das „blaue Wunder“ nicht, wo ein Blatt endet und das nächste beginnt. So geschieht es eben zumeist, dass die Punkte 1 und 4 einer Zeile noch auf dem alten, die Punkte 2, 3, 5 und 6 erst auf dem neuen Blatt erscheinen. Es gilt deshalb, den Text so zu zerstückeln, dass jeweils eine Seite gedruckt werden kann. Augenmaß ist gefragt. Beim vorliegenden Auftrag war das nicht so schlimm. Sollten wir doch von jedem Text 15 Exemplare drucken. Das „blaue Wunder“ kam in Schwung und so ging die Arbeit fürs Mondo mio gut von der Hand.

Sie kennen das Mondo mio nicht? Wir bis Anfang Dezember 2013 auch nicht. Damals liefen wir zusammen mit anderen Vertretern des behindertenpolitischen Netzwerks durch dieses Kindermuseum im Westfalenpark. Für die neue Ausstellung durften wir Hinweise zur Barrierefreiheit geben. So entstand der Kontakt.

Es folgte erstmal Handarbeit. Die in der Ausstellung stehenden Vitrinen sollten in Braille beschriftet werden. Selbstklebende, durchsichtige Folie haben wir dafür beschriftet. Ein Drucker tut sich schwer mit dieser Folie. So kam erstmal die gute alte Perkins zum Einsatz.

Das war aber nur der Auftakt. Nun sollten wir verschiedene Texte in 15facher Ausfertigung zu Papier bringen. Dies ist z.B. eine Art Ausstellungsführer, der beschreibt, was das Kind bzw. seine Eltern in der Ausstellung finden können.

 

Kleine Texte erzählen z.B. von den Kindern, die in der Ausstellung über ihr Leben und ihr Land erzählen. Am Ende hatten wir fünf Ordner voll gedruckt. Bildlich gesprochen qualmte der Schreibkopf des „blauen Wunders“.

Die Freude an der Drucktätigkeit wurde erheblich durch das Wissen davon gesteigert, was wir da druckten. Diese Ausstellung „Nijambo“ ist beeindruckend. Beispielhaft geben wir nachfolgend einen Text wieder. Er beschreibt den Weg, den ein T-Shirt nimmt, ehe es bei uns im Laden liegt.

„Weltreise eines T-Shirts

Die Weltreise eines T-Shirts beginnt in INDIEN.
Baumwolle ist eine Pflanze. Sie wächst zum Beispiel in Indien. Ihre Blüten liefern das Material für den Stoff, aus dem T-Shirts gemacht werden. Die Blüten werden mit der Hand gepflückt. Auch die Samen müssen einzeln daraus entfernt werden. Die Rohbaumwolle wird zu großen Ballen gebunden und zur Weiterverarbeitung mit dem Schiff oder dem Flugzeug in die Türkei verschickt. Der Weg von Indien bis in die Türkei beträgt etwa 5.650 km.

In der TÜRKEI wird die Baumwolle gesponnen.
Jetzt wird die Rohbaumwolle gesponnen. Das bedeutet, ein Ballen wird so lange um sich
selbst gedreht und über Spinnräder geführt, bis aus dem großen Haufen ein langer Faden
geworden ist. Dieser Faden wird auf riesige Spindeln entwickelt. Auch diese Garnrollen mit der gesponnenen Baumwolle gehen auf die Reise. Zum Beispiel nach Taiwan. Von der Türkei bis nach Taiwan sind es etwa 9.550 km.

In TAIWAN wird aus den Baumwollfäden vollautomatisch ein Stoff gestrickt. Die Garnrollen sind kreisförmig auf einer Strickmaschine angeordnet, damit die Fäden gleichmäßig in die
Maschine laufen können. Der fertige Stoff ist eigentlich schon geeignet, um daraus ein
T-Shirt zu nähen. Aber die Reise geht noch weiter: 9.750 km bis nach POLEN.

In POLEN wird der naturfarbene Stoff gefärbt. Vorher wird er noch gebleicht, damit die Farben hinterher schön knallig aussehen. Der jetzt weiße Stoff läuft über ein System von Rollen in die Farbbecken. Der farbige Stoff ist nun fertig für die nächste Station der Reise.
Es geht jetzt wieder zurück nach INDIEN. Das macht noch einmal 7.500 km.

Zurück in Indien werden die bunten Stoffe in Textilfabriken zu Kleidung verarbeitet. Alle Einzelteile des T-Shirts werden ausgeschnitten und Stück für Stück aneinander genäht.
In das fertige T-Shirt wird noch ein Etikett eingenäht und dann gehtss ab zum Transport nach EUROPA. Von Indien bis nach Europa sind es etwa 7.850 km.

Endlich sind die T-Shirts in den Geschäften in Europa angekommen. Sie haben über 40.000 km hinter sich. Das ist so weit, als wären sie einmal um die Welt gereist. Trotz dieser langen Reise kostet ein T-Shirt manchmal nur 2,50 Euro.

Da stimmt doch was nicht!“

 

Hier ist ein Audio-Beitrag zum Mondo Mio!



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